
Segen
„Hanns-Dieter Hüsch“
Gott möge von seiner Heiterkeit ein Quentchen in uns hineinpflanzen, auf dass sie bei uns wachse,
blühe und gedeihe, und dass wir unseren Alltag leichter bestehen. Dass er uns bewahre vor jedem
Hochmut und vor jeder Bitterkeit, und dass er uns fähig mache, weiterhin zu glauben an seine Welt,
die nicht unsere Welt ist, und dass wir nicht ersticken an allem Tand und eitlem Tun …
Er möge uns behüten vor aller Besserwisserei und uns beflügeln, Freiheit und Phantasie zu nutzen,
um Feinde in Freunde zu verwandeln. Er lösche langsam in uns jedes Vorurteil – langsam – denn wir
stecken bis über beide Ohren voll davon.
Er schenke uns von seiner Vielfalt ein Stückchen Großmut und führe uns nicht in Haarspaltereien,
Gedankenenge und Geistesnot. Er erhalte uns unseren Eigensinn, ihn nicht aus den Augen zu verlieren in unserer optischen Zeitspanne.
Wir bitten ihn, weiterhin unser Freund zu sein, der immer uns übrigbleibt, in aller Finsternis und Unvernunft, wenn wir schier an allem und an uns verzweifeln.
Er sei mit uns, wenn wir unter den Verlierern sind, und gebe uns die Kraft zu Demut, die Kraft, am
Ende aufzustehen für einen neuen Anfang.
Wer anders könnte uns zu neuem Lachen führen, zu neuer Hoffnung und Freude, immer wieder, nach
Tausenden von Jahren?